- Wirtschaftskraft -

Auswirkungen der Energiekrise: Alle Unternehmen sind betroffen

Itzehoe - Die Corona-Pandemie war gefühlt gerade überstanden, jetzt befinden wir uns in der nächsten Krise. Die Stimmung in den Unternehmen an der Westküste ist angespannt. Nach Einschätzung des Geschäftsführers des branchenübergreifenden Arbeitgeberverbandes Unternehmensverband Unterelbe-Westküste e.V. (UVUW), Ken Blöcker, stehen wir am Beginn einer Rezession. 

Die mentale Stimmung der Unternehmerinnen und Unternehmern sei schlecht, so Blöcker. „Auch wenn das natürlich sowohl typ- als auch branchenabhängig ist. Die hohen Energiekosten drücken nicht nur die Laune, sondern auch den Umsatz.“ Die Situation sei ohne Zweifel kritisch, so Blöcker weiter. „Alle sind von der Kostenexplosion bei Gas, Erdöl und Strom betroffen. Besonders die Wettbewerbsfähigkeit des produzierenden Gewerbes ist massiv gefährdet. Es wird nicht gelingen, die achtfach höheren Kosten der internationalen Mitbewerber mit Steuermitteln auszugleichen. Das gelingt nicht kurz-, und erst recht nicht langfristig. Es muss daher alles dafür getan werden, dass Energie wieder günstiger wird in Deutschland. Es ist absurd, dass wir hier an der Westküste, als Windenergielieferant Deutschlands, höhere Energiekosten haben als im Süden. Den vielen warmen Worten aus der Bundespolitik, die Produktion und Nutzung von Wasserstoff wirtschaftlich und wettbewerbsfähig machen zu wollen, müssen endlich Taten folgen. Viele nutzen Wasserstoff seit Jahren als reines Buzzword, ohne das Potential wirklich zu erkennen.“ 

Die Industrie bemüht sich, Energie einzusparen. In den letzten Monaten hat die Industrie nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ihren Gasverbrauch zwischen 20 und 25 Prozent reduziert. Nach Einschätzung von Blöcker gelang dies aber nicht nur durch Einsparungen, Effizienz und Prozessoptimierung oder den Wechsel des Energieträgers, sondern auch durch eine deutliche Reduzierung der Produktion. „Die Reduzierung der Produktion liegt sicherlich nicht nur an den Energiekosten, sondern auch an der Rohstoffknappheit! Die Kalkulation der Preise gestaltet sich immer schwieriger, wenn man nicht weiß, ob und zu welchen Preisen man beliefert wird. Man ist dann beispielsweise gezwungen, in den eigenen Angeboten einen Energiezuschlag in unbekannter Höhe ankündigen zu müssen.“ 

Abschließend fordert der Verbandsgeschäftsführer, dass in der Bundesregierung mehr auf regionale Nutzung und Veredelung der Energie gesetzt werden müsse: „Viele Unternehmen in Dithmarschen bemühen sich, insbesondere im bundesweiten Vergleich, schon lange, sich möglichst autark zu versorgen. Ein Unternehmen muss bei aller intrinsischen Motivation auch immer ein Auge auf die Wirtschaftlichkeit werfen. Es geht um hohe Investitionskosten. Die Zeitenwende wird und muss auch zu energiepolitischen Entscheidungen führen, die eine stärkere autarke Versorgung zum Wettbewerbsvorteil werden lassen. Die Politik wirft seit Jahren oder besser gesagt seit Jahrzehnten Steine in den Weg. Statt auf regionale Nutzung der regional erzeugten Energie setzte die Bundesregierung bislang auf günstiges Gas und den Trassenausbau in den Süden.“